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Unser Blog erscheint regelmäßig mit neuen Beiträgen aus den Themenbereichen der Anforderungsvermittlung und agilen Skalierung.

Notizbuch mit Anforderungsfabrik Logo Kugelschreiber daneben

Sinnvoll Kundenfokus in den Projektalltag bringen

Zwei Ideen Icons die ineinander übergehen

Die digitale Transformation sorgt für einen Schub an neuen Themen, mit denen sich Unternehmen beschäftigen müssen – und das in immer kürzeren Zyklen. Anforderungslage aber auch Lösungsraum und Technologien sind nicht mehr klar vorgegeben.

So ist es nicht verwunderlich, dass sich iterative Vorgehen, bei denen Produktideen immer wieder aufs neue evaluiert werden, bereits in unserem Alltag der Produktentwicklung etabliert haben.

Diese Herangehensweise, sich Schritt für Schritt an die optimale Umsetzung der Anforderungen heranzutasten, setzt allerdings eine ergebnisoffene Haltung voraus. Das heißt wir müssen akzeptieren, dass die Details der Lösung am Anfang noch nicht bekannt sind.

In diesem Fall ist ein Vorgehen hilfreich, bei dem grobe Anforderungen und frühe Konzepte (ggf. in Form von Prototypen) gemeinsam mit dem Kunden erarbeitet werden. Durch den Einsatz der richtigen Analyse- & Designmethoden kann so ein Bewusstsein für die kontinuierliche Ausrichtung auf den Markt und die Bedarfe der Kunden geschaffen werden.

 

Wir haben es geschafft: Agil

Bis auf die Erwartungshaltung bleibt alles beim Alten, nur mit anderem Namen.

Unter anderem aus der zuvor beschrieben Motivation greifen immer mehr Unternehmen zu agilen Ansätzen. Praktiken und agile Frameworks wie SCRUM, KANBAN, SAFe und Co. werden eingeführt und die Zusammenarbeit dahingehend transformiert.

 

Es wird versucht, ad hoc und zwanghaft mit neuen Praktiken und Werkzeugen zu arbeiten, die im Kontext wenig Sinn ergeben.

Die Problematik entsteht bei der oberflächlichen Umsetzung dieser Blaupausen, ohne die Innovationskraft zu erkennen und zu fördern. So kann es passieren, dass trotz agiler Vorgehen “umsetzungsorientiert” gearbeitet wird, d.h. von Beginn an werden konkrete Lösungen vorgegeben und für die Umsetzung detailliert und “gemanaged”. Eine Innovationskraft in den Teams ist nur schwer möglich, Feedback-Schleifen zu Lösungsalternativen existieren oft nicht.

 

Kundenfokus ist nur ein Schlagwort, die Entwicklung ist durch starre Lösungskonzepte geprägt.

Das führt dazu, dass Kundenfokus und Marktorientierung nur Schlagworte bleiben. Problemstellungen und Lösungsalternativen können (oder dürfen) nicht mehr hinterfragt werden. Als Folge dessen sind u.a. “Usability” und “User Experience” Kompetenzen falsch positioniert, indem sie (in vielen Fällen genauso wie der Kunde) zu spät involviert oder sogar als zusätzlicher Ballast gesehen werden.

 

Agile Frameworks reichen alleine nicht aus

Agile Methoden befassen sich mit dem “WIE” und der richtigen Umsetzung des Produkts, damit möglichst schnell Wert erzeugt werden kann. Darum müssen wir agile Frameworks als Werkzeug für die Umsetzung verstehen.

Die Arbeit an einem klaren Fokus und der richtigen Ausrichtung ist jedoch entscheidend für die Umsetzung. Angelehnt an dem “Design Squiggle” von Damien Newman können wir uns an drei Phasen orientieren.

(Design-Squiggle: Visualisierung des Designprozesses von der Idee bis zur finalen Lösung) 200

Quelle: Der „Design Squiggle“ – Damien Newman

Dabei können wir die drei Phasen in der agilen Skalierung auf drei Abstraktionsebenen auflösen (die folgenden Artefakte beziehen sich auf SAFe und können in anderen Kontexten auch eine andere Ausprägung haben):

  • Auf langfristiger Strategie-Ebene dienen Epics dazu das Problem angemessen zu erkunden (Auftragsklärung / Scoping).

  • Features dagegen helfen uns auf koordinativer Ebene die richtige Umsetzungsalternative zu wählen und zu priorisieren (Konzeption / Prototypen).

  • In der operativen Umsetzung, z.B. nach Scrum, steuern User Stories die richtige Bauweise (Gestaltung / Umsetzung).

Für diese Vorgehensweise ist es essenziell, Methoden aus dem Design in das Anforderungsmangement zu übernehmen, feste Rollendefinitionen aufzubrechen und entsprechende Kompetenzen unternehmensweit aufzubauen.

Die folgende Tabelle zeigt beispielhaft auf, welche Design-Methoden und damit verbundene Kompetenzen in das Anforderungsmanagement integriert werden müssen.

Ebene Ziel / Squiggle-Phase Arbeitsprodukte aus dem Anforderungsmanagement Design-Methoden

Strategische Ebene

Das Problem Erkunden

Kontinuierliche Ausrichtung auf den Markt und die Bedarfe der Kunden (initiale Problem und möglichen Lösungsraum erkunden)

  • Vision

  • Epic

  • Stakeholderliste

  • Design Brief / Ideenbewertung

  • Design Thinking (Problem & Lösung)

  • Feldbeobachtungen & Interviews (Canvas)

  • Persona Canvas

  • Business Model Canvas

  • Value Proposition Canvas

  • Cover Story Canvas

Koordination Ebene

Das richtige Produkt bauen

Durch “Inspect & Adapt” aus Prototypen und Produkt-Inkrementen lernen richtige Produktideen zur Lösung des Problems und Wertmaximierung identifizieren (Lean-Ansatz).

  • Use Case Diagramm

  • Use Case Spezifikation

  • Grafische Modelle

  • Feature

  • Styleguide

  • Prototype (Paper / Wireframe / Klick-Dummie)

  • Risiko Bewertung

  • Beschreibung externer Schnittstellen

  • System-, Geschäfts-, Stakeholder- oder Benutzeranforderungen

  • Context Canvas

  • Story Mapping

  • Customer Journey

  • Service Blueprint

  • Interaktionskonzept / Wireframes

  • Prototyping

  • UX (Usability) Tests

  • SWOT Analyse

  • Lean Startup

Operative Umsetzung

Das Produkt richtig bauen

Umsetzung der Ergebnisse inkrementell und Usabiliy Test.

  • Individuelle Anforderung

  • User Story

  • Product- & Sprint-Backlog

  • Visuals / GUI / NUI - Design

  • Usability Test

Fazit

Wir müssen bei der Produktentwicklung verstehen, dass das starre Anwenden agiler Frameworks nicht ausreichend ist, um optimale Ergebnisse zu erreichen, und wir uns immer stärker mit dem Thema Innovationsmanagement befassen müssen.

Eine oberflächliche Umsetzung agiler Frameworks als Blaupause, ohne die Optimierung der Innovationskraft im Blick zu halten, bringt oft nicht den erhofften Mehrwert. Wir müssen ein Umdenken vom umsetzungsorientierten zum konzeptorientierten Vorgehen schaffen, in denen die frühe Ideen- und Produktevaluation bereits bei der Auftragsklärung akzeptiert, durchgeführt und fest implementiert ist. Dazu gehört insbesondere, Disziplin-übergreifende Kompetenz auf allen Ebenen aufzubauen und Methoden aus dem Design in das Anforderungsmanagement zu integrieren.

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Über die Autorin

Anna Kranzusch ist Beraterin mit dem Schwerpunkt auf Usability Engineering / User Experience / User Interface Design (UE / UX / UI), dem Industriedesign und der benutzerzentrierten Anforderungsvermittlung.

Ihr Einsatz in Kundenprojekten umfasst die Evaluation von Produktideen durch frühen UX Research sowie das Ermitteln und Dokumentieren von Anforderungen mit dem Fokus auf der Gebrauchstauglichkeit (Nutzerfreundlichkeit) und der Benutzer-Schnittstelle. Sie steuert in der Rolle des UX/UI Designers den Weg zur Realisierung von innovativen Ideen und vertritt dabei die strategischen und wirtschaftlichen Interessen des Auftragsgebers.

Ihre Leidenschaft sind Entwicklungsprojekte, bei denen sie innovative Technologie mit Kreativität, z.B. durch das Design Thinking und Prototyping, verbinden kann. Dabei bedient sie stets die Schnittstelle zwischen Business und IT.

Anforderungsvermittlerin UX / Consultant

Über die Autorin

Profilbild der Mitarbeiterin Anna Kranzusch

Anna Kranzusch ist Beraterin mit dem Schwerpunkt auf Usability Engineering / User Experience / User Interface Design (UE / UX / UI), dem Industriedesign und der benutzerzentrierten Anforderungsvermittlung.

Ihr Einsatz in Kundenprojekten umfasst die Evaluation von Produktideen durch frühen UX Research sowie das Ermitteln und Dokumentieren von Anforderungen mit dem Fokus auf der Gebrauchstauglichkeit (Nutzerfreundlichkeit) und der Benutzer-Schnittstelle. Sie steuert in der Rolle des UX/UI Designers den Weg zur Realisierung von innovativen Ideen und vertritt dabei die strategischen und wirtschaftlichen Interessen des Auftragsgebers.

Ihre Leidenschaft sind Entwicklungsprojekte, bei denen sie innovative Technologie mit Kreativität, z.B. durch das Design Thinking und Prototyping, verbinden kann. Dabei bedient sie stets die Schnittstelle zwischen Business und IT.

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