Zu empfehlen ist es stets genügend Zeit zu investieren die Anforderungen präzise zu spezifizieren und zu modellieren. Gut ausgearbeitete Anforderungen verringern das Risiko von Nacharbeiten. Wenn man zu wenig Zeit investiert, hat man zwar geringere Ausgaben für das Requirements Enginerring, aber das Risiko teurer Nacharbeiten erhöht sich erheblich.

Satzschablone (User Story)

In agilen Entwicklungsprojekten wird oft folgende Satzschablone verwendet:

Als <Nutzer / Rolle> möchte ich, dass <Systemfunktion>, damit <Nutzen>.

Ziel ist es, dadurch den Problem- und Lösungsbereich nicht zu vermischen und in den Formulierungen keine vorzeitigen Entwurfsentscheidungen zu treffen. Die „User Story“ ist klar auf einen fachlichen Nutzen für eine bestimmte Nutzerrolle ausgelegt.

Modellbasierte Dokumentation mit UML

Die Unified Modeling Language (UML) definiert einen Standard für die Darstellung konkreter Systemausschnitte. Die UML kann eingesetzt werden, um eine Kommunikationsgrundlage zu schaffen und komplexe Sachverhalte vereinfacht und übersichtlich darzustellen. Zu den wichtigsten Diagrammarten für die Anforderungsvermittlung gehören die Use Case -, Aktivitäts- und Klassendiagramme.

Use Case Diagramm

Das Use Case Diagramm hat den Fokus auf der Interaktion zwischen Anwendern / Partnersystemen und dem System. Es eignet sich deshalb für den Einsatz in frühen Phasen und als unterstützende Technik bei der Ermittlung von Anforderungen.

Use Cases

Die einzelnen Use Cases (Anwendungsfälle) werden in einer Use Case Spezifikation mit natürlicher Sprache beschrieben. Folgende Informationen sollten pro Use Case enthalten sein:

  1. Use Case Name.

  2. Kurzbeschreibung (2 – 3 Sätze).

  3. Der Hauptpfad des Use Cases, ausführlich und Schritt für Schritt.

  4. Vor- und Nachbedingungen für den Ablauf.

  5. Alternativ-, Ausnahme- und Fehlerfällen.

  6. Alle Anforderungen, die spezifisch für diesen Use Case sind und im Ablauf nicht vorkommen (insbesondere nicht-funktionale Anforderungen, Geschäftsregeln, Datenprüfungen).

Aktivitätsdiagramm

Der Ablauf eines Use Cases kann auch modellbasiert mit Hilfe eines Aktivitätsdiagramms beschrieben werden. Ein Aktivitätsdiagramm eignet sich immer dann gut, wenn ein Ablauf (Kontrollfluss) oder ein Geschäftsprozess dargestellt werden soll.

Klassendiagramm

Um Anforderungen an strukturelle Aspekte des Systems zu dokumentieren kann das Klassendiagramm verwendet werden. Modelliert werden können so beispielsweise fachliche Daten, die bei der Arbeit mit dem System benötigt werden oder technische Objekte, die zwischen Systemen / Subsystemen ausgetauscht werden müssen. 

Empfehlung

Wichtig ist es eine Auswahl der Spezifikationsmethode/ -sprache entsprechend Art und Formalitätsgrad der Darstellung durchzuführen. Dabei ist die Nutzung von Satzschablonen und Checklisten von Vorteil. Das Durchführen der Dokumentation gemäß Dokumentationskritierien,-richtlinien und Qualitätskriterien muss beachtet werden.

Werkzeuge

Eine Möglichkeit zur Spezifikation von Anforderungen ist die natürliche Sprache (informal). Zusätzlich lassen sich Anforderungen durch konzeptuelle Modelle (UML und BPMN) formal modellieren. In vielen Fällen eignet sich auch eine Mischform (Sprache + Modell, semiformal). Bei der natürlichen Sprache empfehlen sich Vorlagen (z.B. Satzschablone) und Checklisten (INVEST, IEEE-Kriterien) zu nutzen. Als Tools lassen sich auch Textverarbeitungsprogramme nutzen.

Ergebnis

Ziel dieser Aktivitätsgruppe sollte es sein, dass die Anforderungen an das zu entwickelnde System im Anforderungsdokument spezifiziert und modelliert sind.

Hinweis

Man kann jederzeit in einen vorherigen Bereich zurück und aufs Neue ermitteln oder Anforderungen verfeinern.

Sie brauchen Hilfe? Lassen Sie sich von uns unverbindlich beraten.