Warum macht Kompetenzkultur heute den Unterschied?
Digitale Produktentwicklung scheitert selten an fehlenden Ideen, sondern an der Art, wie Menschen zusammenarbeiten. Rollen sind definiert, Frameworks etabliert, Prozesse sauber beschrieben. Und trotzdem entsteht Reibung: Übergaben stocken, Verantwortung bleibt unklar, Produktdenken geht im Tagesgeschäft verloren.
Genau hier entscheidet sich, ob Unternehmen lediglich Strukturen einführen oder ob sie ein kompetenzorientiertes Denken verstehen, fördern und in der Zusammenarbeit leben.
Was passiert, wenn Kompetenzkultur gelebt wird?
Kompetenzkultur zeigt sich nicht in Rollenbildern, sondern im Arbeitsalltag von Teams. Besonders deutlich wird das in Unternehmen, die bereit sind, bestehende Denkweisen zu hinterfragen und neue Wege auszuprobieren.
Ich möchte an zwei Praxisbeispielen aufzeigen, wie Kompetenzkultur nachhaltig gestaltet werden kann.
Praxisbeispiel 1: Requirements Engineering als Teil der Produktverantwortung
Dieses Unternehmen stand vor der Herausforderung, die vielfältigen Aufgaben eines DevSecOp-Teams zu erfüllen, ohne den Produktfokus aus den Augen zu verlieren. Statt Aufgaben strikt neuen Rollen zuzuordnen, entschied sich das Unternehmen für einen kompetenzorientierten Ansatz.
Die DevOps-Aufgaben wurden rollenübergreifend im Team verteilt. Requirements Engineers entwickelten sich dabei gezielt weiter, weg vom reinen Fachwissen, hin zu einem umfassenden Produktverständnis.
Ergänzt wurde das klassische RE-Wissen durch Weiterbildungen, u. a. in:
- Usability Engineering
- Test & Qualität
- Architektur & Security
- Fachdomänenwissen
Der entscheidende Hebel lag jedoch nicht nur im Lernen selbst, sondern in den Rahmenbedingungen: Zeit zum Ausprobieren, Raum für Austausch und die explizite Erwartung, Wissen im Team gemeinsam einzusetzen. So wurde Kompetenz nicht nur aufgebaut, sondern als Kultur verankert.
Der Nutzen: Mehr Verantwortung im Team, weniger Übergaben, ein gemeinsames Verständnis für Business, Technologie und Nutzer.
Praxisbeispiel 2: Design trifft IT, eine Zusammenarbeit als Lernreise
Ein weiteres Unternehmen stellte im Rahmen seiner digitalen Transformation klar: nicht das Ziel ist entscheidend, sondern die Reise dahin. An dieser Stelle wurde deutlich, um die Herausforderungen in der digitalen Produktentwicklung zu meistern, ist stetiges Lernen und Anpassung unerlässlich.
Durch die gezielte Weiterentwicklung bestehender Rollen wurde eine kompetenzorientierte Zusammenarbeit geschaffen. Für Business Analysten wurde z.B. ein individuelles Entwicklungsprogramm inklusive Zertifizierung aufgebaut, das Kompetenzen aus
- UX & Service Design,
- agilen Grundlagen,
- RE-Fachwissen und Fachdomänenwissen miteinander verbindet.
Der Fokus lag dabei nicht alleinig auf neuen Methoden, Tools und Strukturen, sondern auf bewussten Perspektivwechseln in der Zusammenarbeit. So wurde das Interesse am Anderen, gemeinsames Lernen und das Verbinden der Sichtweisen Business, Technologie als auch Nutzer bewusst gefördert.
Der Nutzen: Wertschöpfung entsteht nicht mehr isoliert, sondern durch gute UX, die sowohl Geschäfts- als auch Nutzerziele erreicht – getragen von wirksamer Zusammenarbeit.
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Was Sie als Unternehmen jetzt konkret tun können
Die Praxis zeigt: Kompetenzkultur entsteht nicht durch strukturelle Vorgaben, sondern durch bewusste Entscheidungen von jedem Einzelnen. Wer den ersten Schritt gehen will, kann sich an folgenden Fragen orientieren:
- Wo verhindern starre Rollenbilder heute echte Zusammenarbeit?
- Welche Kompetenzen brauchen unsere Teams, um Produktverantwortung ganzheitlich zu übernehmen?
- Welche Rahmenbedingungen schaffen wir, damit Lernen nicht nur möglich, sondern wirksam wird?
- Wie fördern wir Interesse an anderen Perspektiven, statt nur Prozesse zu optimieren?
Kompetenzkultur beginnt dort, wo Unternehmen aufhören, Zusammenarbeit zu strukturieren und anfangen, sie zu ermöglichen.
