Elemente einer lernenden Organisation – eine gute Fehler- und Risikokultur

Anforderungsfabrik Friedhof der gescheiterten Projekte
Anforderungsfabrik Friedhof der gescheiterten Projekte
Anforderungsfabrik Friedhof der gescheiterten Projekte

Eine gute Risikokultur ist eine wichtige Voraussetzung für eine lernende Organisation

Die Risikokultur eines Unternehmens bestimmt die Art und Weise, wie Mitarbeiter:innen an Aufgaben herangehen. Sie ist die Basis dafür, wie Entscheidungen getroffen werden und wie mit guten und schlechten Ergebnissen umgegangen wird. Gehört es zur Kultur des Unternehmens das Fehler gemacht werden dürfen? Werden diese sogar in Kauf genommen um daraus zu lernen? Ein Blick in die Start-Up und Tech-Szene der USA zeigt wie eine Seite der Risiko-Bandbreite aussehen könnte.

Im Silicon Valley wird eine Kultur des Scheiterns zelebriert. Das oberste Mantra lautet «Fail fast, fail often». Schnell und häufig zu scheitern ist eine angesagte Lernmethode für Unternehmer. Sie sollen verinnerlichen, nicht zu lange an untauglichen Ideen festzuhalten.

Ein Held dieser Philosophie ist der umtriebige Richard Branson, der sein erstes Geld mit Weihnachtsbäumen und einer Vogelzucht verdiente. Er sagt: „Gelegenheiten sind wie Busse. Verpasst man einen, kommt immer ein nächster.“ Spektakulär ist auch der Umgang von Google mit seinen gescheiterten Projekten und Produkten. Diese werden öffentlich auf einem virtuellen Friedhof “beerdigt”. Unter The Google Cemetry kann jeder nachlesen, warum ein Produkt eingestellt wurde.

Sollte der Umgang mit gescheiterten Projekten und Produkten tatsächlich nur ein Thema von Start-Up’s und Tech-Unternehmen sein oder muss nicht jedes Unternehmen, welches das Ziel hat eine lernende Organisation zu sein, diese Kultur entwickeln? Formate wie die „Fuck-Up-Nights“, bei denen Unternehmen ihre gescheiterten Projekte vorstellen, werden immer populärer. Zu experimentieren, neues auszuprobieren, zu scheitern und immer wieder dabei zu lernen wird der Garant sein auf notwendige Veränderungen des Marktes reagieren zu können.

Grundprinzipien einer guten Risikokultur

  • Das gesamte Management hat ein Verständnis zu den Kriterien der Risikoannahme und lebt sie.

  • Ethische Prinzipien und die Vision der Organisation sind die Grundlage für die Risikokultur.

  • Die Risikokultur und das Steuern von Risiken wird als wesentlicher Faktor des Erfolgs, in der gesamten Organisation, wahrgenommen.

  • Erfolge und Misserfolge werden transparent in der Organisation geteilt, ohne Angst vor Blamagen. Sie sind Bestandteil der lernenden Organisation.

  • Offener Umgang mit Ergebnissen wird gefördert.

  • Das gewollte Annehmen von Risiken und Herausforderungen, im Rahmen des Regelwerks, werden gefördert.

  • Das Rahmenwerk und die Regeln werden ständig weiterentwickelt.

  • Die Vision und Kultur der Organisation sind bei allen Mitgliedern verwurzelt und die Risikokultur ist ein wesentlicher Teil davon.

Fehlertoleranz in Forschung und Entwicklung

Eine Forschergruppe um die Berater Lars Baumeister und Leila Steinhilper plädieren in diesem Zusammenhang für eine Unternehmenskultur, die ein angstfreies Arbeiten zulässt und von Schuldzuweisungen und Bestrafungen ablässt. Mitarbeiter:innen und Führungskräfte sollten Fehler erkennen können und gemeinsam aufarbeiten. Motto: Versuch und Irrtum. Mögliche Lösungswege werden ausprobiert, bis die gewünschte Lösung gefunden ist. Dabei wird bewusst die Möglichkeit von Fehlschlägen in Kauf genommen, was jedoch nicht heißt, absichtlich Fehler machen zu wollen.

Wenn die Firmenleitung eine Fehlertoleranz fördern will, sollte sie sich fragen:

  • Was dürfen meine Mitarbeiter:innen ausprobieren?

  • Welche Befugnisse haben sie?

  • Gibt es Anreize, Ideen einzubringen oder existieren eher Blockaden dies zu tun?

  • Werden Vorschläge und Ideen von Mitarbeiter:innen gehört?

  • Werden sie ermutigt, diese für eine Umsetzung zu Ende zu denken?

  • Welche Mittel werden ihnen zur Verfügung gestellt, um experimentieren zu können?

  • Sollen möglichst viele Mitarbeiter:innen Ideen entwickeln und prüfen oder werden von vorn herein alle Ressourcen auf ein Projekt konzentriert?

  • Werden die Mitarbeiter:innen bei Fehlschlägen verwarnt oder zu weiteren Versuchen ermutigt?

  • Werden erfolgreich umgesetzte Ideen prämiert?

Fazit

Scheitern ist in vielen Unternehmen noch immer ein Tabuthema, denn es wird mit Status- und Gesichtsverlust verbunden, Abstieg oder Ausschluss drohen. In diesem Zusammenhang scheint Erfolg die einzige Variable zu sein, an der man sich orientiert. Doch Scheitern gehört zum Alltag dazu, es passiert jeden Tag. Umso wichtiger erscheint es, einen konstruktiven Umgang damit zu finden und Scheitern als eine Chance zur persönlichen Entwicklung wie auch zur Entwicklung von Unternehmen insgesamt zu erkennen.

Sofern noch nicht geschehen, starten auch Sie mit einer neuen und bewußten Fehler- und Risikokultur. Dinieren Sie Prinzipien, die zu Ihnen passen und “beerdigen” Sie unnütze Projekte oder Produkte - immer begleitet durch eine Analyse und offene Kommunikation der neuen Erkenntnisse.


ÜBER DEN AUTOR

Bernd Austinat ist Berater mit dem Schwerpunkt auf der Organisationsentwicklung.

Basierend auf der Wunschvorstellung der Unternehmen erarbeitet er ein individuelles Entwicklungs-Programm, welches moderne Attribute in den Fokus stellt. Durch iterative Entwicklungsschritte wird dabei sichergestellt, dass Manager und Mitarbeiter den Wandel erleben, verstehen und begleiten wollen. 

Darüber hinaus ist er als Trainer und Coach rund um das Thema Managemententwicklung tätig. Seine Leidenschaft ist das Verständnis von modernem, sinn- und werteorientiertem "Leadership".

Anforderungsvermittler / Managing Consultant